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Familiäres Forum rund um das Thema Essstörung


    Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

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    Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  Kyra am Mi Dez 21, 2011 6:18 am

    Wie gehen eure Freunde und Eure Familie mit eurer Krankheit um ?

    Angeli89
    Gast

    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  Angeli89 am Di Jan 03, 2012 2:44 am

    Liebe Kyra,

    ich habe hier grade vorbeigeschaut und gesehen was du hier schreibst.
    Irgendwie habe ich das Bedürfnis dir antworten zu wollen, deswegen tue ich es.

    Ich muss allerdings von Anfang an sagen, dass ich mittlerweile "gesund" bin. Meine Gedanken sind teilweise noch etwas verquer und es gibt Tage, da mag ich mich nicht leiden.
    Aber ich habe Normalgewicht und bin eigentlich zufrieden so wie es ist.

    Nun ist es aber ja so, dass du fragst wie sie mit der Krankheit umgehen.
    Ich muss sagen, dass es sehr sehr schwer war, eine Akzeptanz zu bekommen.
    Denn im Grunde war es ja so, dass ich auf dem Weg war mich tot zu hungern.
    Meine Mutter kam damit überhaupt nicht klar, sie hat es verdrängt bis es nicht mehr ging, und dann hat sie mich hängen lassen.
    Meine Schwester hat mich dazu gezwungen zu essen ( es hat nichts geholfen, weil cih irgendwann alle Mittel nutzte um das Essen wieder loszuwerden ).

    2010 wurde es dann ganz hart. Ich hab mein ABI gemacht - unter großen Mühen!
    Ich war sehr gut, es hat mich aber all meine Kraft gekostet.
    Und dann war da plötzlich dieser junge Mann.
    Dieser junge Mann der sich in mich und mein Knochengestell verliebt hat :D.
    Ich war noch nicht mit ihm zusammen, als mein Herz aufhörte zu schlagen... wie durch ein Wunder kam ich aber zurück.
    Und verdamt es waren jetzt wirklich harte Jahre. Mit Weigerung, Therapie ( ohne Klinik, weil ich dort selbst nicht hinwollte, ich kann es aber nur empfehlen hiinzugehen!!!).
    Und jetzt endlich, nachdem ich wirklich merkte, dass er mich liebt, dass er bei mir bleibt, und auch nachdem cih selbst meinen Lebenswillen wieder fand... jetzt endlcih konnte ich diese Krankheit loslassen, die mich jetzt schon einige Zeit begleitet hat.


    ich muss sagen, dass es erstaunlich ist... Familien halten oft weniger aus als die Freunde.
    Meine freunde haben um mich gekämpft! Wie viele Streitereien es gab wegen meines Essverhaltens, meines Gewichtes... Und sie haben mich nicht fallen lassen, auch wenn in vielen Diskussionen irgendwann von ihnen ein resigniertes "Was ist unsere Freundschaft noch wert, wenn du dich doch sowieso umbringst", oder "Ich kann nciht weiter an deiner Seite stehen, wenn das Ziel dein Tod ist".
    Wenn ich das jetzt so schriebe und drüber nachdenke... dann denke ich von mir, dass ich echt eine scheiß Freundin war, denn es war mir EGAL!

    Unsere Freunde und Familien können uns nur sekundär vor dieser Krankheit bewahren, doch mit einer Akzeptanz und einer gewissen Hilfe und einem Durchhaltevermögen über einen langen Zeitraum können sie uns helfen!

    Ich habe irgendwann in meinem Tagebuch mal geschrieben : "Ich bin es nicht wert, dass man um mich kämpft. Ich bin den anderen egal - dann kann ich ja gehen!".
    Das sind Sätze einer (damals) psychisch vollkommen heruntergewirtschaften jungen Frau, die nicht weiß was sie mit sich selbst, mit ihren Erfahrungen und ihrem Körper anfangen soll - die zu ihrem Vater in die Ewigkeit will und den Mut nicht hat sich ernsthaft etwas anzutun.
    Ich wollte damals einfach verschwinden und heute weine ich wenn ich darüber nachdenke.

    Ich bin verlobt, und ich werde hoffentlich irgendwann eine Familie gründen können, falls ich meinem Körper da nicht zu viel angetan habe!
    Ich hab wieder einen Lebenssinn gefunden, doch diesen finden wir nicht alleine!

    Ich weiß, dass ich jetzt grade sehr ausschweife - doch ich weiß, dass dies hier auch die Gäste lesen.
    Ein Recovery-Forum ist ein Wunder! Wenn es gut funktioniert, kann man hier so viel schaffen!
    Ich hab es mit einem Forum geschafft, und verdammt ich hatte wirklich schlimme Zeiten -
    DOCH ICH LEBE und ich bin verdammt glücklich drum!

    Also kämpft und sagt dieser verdammten Krankheit mit all ihren Dämonen den Kampf an!
    Und wenn eure Familien "Schuld" sind an eurer Krankheit, dann müsst ihr das bearbeiten und dann wird eure Familie richtig wichtig!
    Tut nur eines nicht, udn ich weiß, dass die Gefahr sehr hoch ist!
    Distanziert euch nicht von euren Freunden, von denen die euch am Leben halten.
    Von denen die euch kennen und die euch immer wieder aufbauen!

    Ich hoffe sehr, dass viele junge Menschen die diese Krankheit haben den wirklichen Sinn im Leben finden, und die Kraft gegen die Krankheit so anzukmpfen, dass sie geht!
    Denn weder Ana noch Mia sind wirkliche Freundinnen! Sie sind Schlampen! (entschuldigung für die Wortwahl).


    Passt auf euch auf und seid gut zu euch!
    Ihr seid es wert gesund zu werden - jeder Mensch ist es wert!


    Alles Liebe,
    Angeli89

    P.S.: Sorry für den Roman :D
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    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  Kyra am Di Jan 03, 2012 7:01 am

    Hallo Liebe Angeli89 hi

    Erst mal vor ab , habe ich das bedürfnis dich einfach mal in den Arm zu nehmen ljj

    Ich danke dir , für das was du geschrieben hast ...
    ich muss sagen ich hatte teilweise Tränen in den Augen...

    Deine Geschichte ist unheimlich Traurig und dennoch mit solch einem Wunderschönen Happyend , wovon die meisten von uns nur träumen können traurig

    Doch wenn man deine Geschichte so liesst gibt es einem zumindest für einen moment unheimlich MUT !!!!


    Meine Familie Ignoriert die Krankheit mittlerweile ...
    Meine Mutter hat lange für mich gekämpft , doch mittlerweile ist die Krankheit ein ''Tabuthema'' in meiner Familie

    Wo ich ''teilweise'' auch froh drum bin , denn Ratschläge von Menschen die sich eigentlich gar nicht in solch eine Situation hinein versetzen können sind meist nicht von vorteil...

    Was manchmal einfach fehlt ist diese Stützende Schulter , wenn es einem gerade dreckig geht...
    Jemanden zum Reden ... und der Arm in dem man auch mal seine Tränen fließen lassen kann ...

    Doch die meisten Mädels haben genau das leider nicht ... Da man mit ''Ihnen'' nicht umgehen kann .
    Wir werden aus unserer Gesellschaft ausgeschlossen ...

    Ich bin froh das ich wenigstens ein Paar von diesen vielen kranken Mädchen ein ''zuhause'' geben kann....

    und vielleicht schafft es die ein oder andere auch , den Weg aus der Krankheit zu schaffen...
    Ich wünsche und hoffe es für alle meine Schützlinge!!! Das sie irgendwann ein Gesundes Leben führen können
    und ich weiss , wenn ich es eines tages schaffen sollte , denke ich an DEINEN Brief!!

    DANKE blume

    Angeli89
    Gast

    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  Angeli89 am Di Jan 03, 2012 12:37 pm

    Liebe Kyra,
    danke für die Umarmung, die gebe ich auch gerne zurück ;).

    Dann zu dem, was du schriebst (falls du das mir als Außenstehende überhaupt sagen willst):

    Seit wann hast du deine Essstörung?
    Also, in meiner eigenen Familie... ist es erst jetzt wieder besser da ich wieder esse und es mir gut geht. Meine Mutter kam mit mir ja garnicht klar - wie gesagt... sie hat garnicht "gesehen", wie schlecht es mir wirklich geht.
    Meine Schwester hat irgendwann auch resigniert - irgendwie auch verständlich.

    Und zu dem Ratschlägen (bei dem Punkt musste ich grade schmunzeln)... es ist so oft so, und diese Ratschläge heißen nicht umsonst so - es sind Schläge, da man in dem Moment irgendwie automatisch über eine Person urteilt. Tipps und Hilfestellungen wären vielleicht besser - doch leider kann kein "gesunder" Esser uns da wirklich unterstützen.
    Sie werden unsere Ängste und Sorgen, die Beklemmung und das Unruhe-Gefühl NIE verstehen. Und das können wir ihnen auch nicht nöherbringen.
    Eigentlich ist es so (und das ist RICHTIG SCHEIßE), dass wir eigentlich Akzeptanz für das Nicht-Verstehen der anderen haben müssten. Und diese können wir in unseren eigenen Situationen aber nicht aufbauen. Wir sind ja damit beschäftigt uns irgendwie... nicht zu verlieren!?

    Wegen der Schulter zum Anlehnen - wie ist es mit deinen Freunden? Stehen die hinter dir? Oder haben sie es auch aufgegeben?
    Ich meine, ich kenne deine Situation jetzt überhaupt nicht, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch verfahrener ist als bei manch anderer.

    Der Punkt daran, dass man uns nicht versteht ist doch irgendwo der:
    Jede von uns hat eine andere Motivation sich auf ein möglichst niedriges Körpergewicht zu hungern --> Die Öffentlichkeit behauptet, dass es eine Trendsache wäre und die jungen Mädchen lediglich ihren Vorbildern nacheifern. Stimmt das wirklich? Für viele von uns sicherlich nicht! Es ist vielleicht ein zusätzlicher Indikator, aber nicht DER Indikator.
    Das ist das eine.
    Dann das andere... "Essen ist nicht schwer - ISS EINFACH!".
    Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört?!? Sicherlich oft genug.
    Essen ist nicht einfach! Nicht für uns.
    Und auch nicht für mich, ich muss mich noch immer sehr überwinden.
    Auch hinter der Essensverweigerung direkt steht ja schon ein Grund, und ich selbst habe bei mir festgestellt, dass der Grund beim Essen direkt gar nichts mit dem "Ziel" zu tun hat.
    Sieht man jetzt am Besten.
    Ich will nicht mehr sterben, ich will leben. Und das mit einem Gesunden Körper! Trotzdem fällt es mir manchmal schwer mit dem Essen, was nicht heißt, dass ich zurück will.
    Ich denke, ihr/du versteht/verstehst was ich meine!?

    Ein "zuhause" kannst du ihnen leider nur teilweise bieten. Wie gesagt, ich war lange in einem Recovery-Forum. Und es hat mir sehr geholfen! Die Mädels dort haben mir einige Male echt richtig in den Hintern getreten.
    Und es war schwer! Ich musste immer wieder zurück in die Realität.
    Und das war das, was mich letztenendes auch irgendwie dazu brachte, gesund werden zu wollen.
    Wieder mit mir klarzukommen, und nicht nur Verständnis bei Gleichgesinnten finden.
    Die perfekte Welt wäre, wenn jeder der diese Krankheit hat, Akzeptanz und Hilfe von allen Seiten bekommt, doch ich glaube das kann kaum gewährleistet werden.
    Wir können nur dafür kömpfen, dass die Krankheit sich nicht weiter ausbreitet, dass wir unsere Erfahrungen mitteilen - wie ich jetzt hier. Hatte auch nie gedacht, dass ich es so weit schaffen könnte *lach*.

    Ich hoffe, dass möglichst viele von deinen Mädels und natürlich auch du, den Weg zur Gesundheit findet! Ihr seid es wert, gesund zu werden!
    Wir brauchen diese Krankheit nicht! Wir sind stärker als sie, auch wenn es uns manchmal nicht so vorkommt.

    Fühl dich ganz fest umarmt!

    Liebe Grüße,
    Angeli89
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    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  PallMall am Do Jan 19, 2012 8:23 am

    Ich bin echt platt. Das war ein sehr starker Beitrag. Ehrlich. Ich bin sehr gerührt.


    Bei mir ist es so, dass ich mit meiner Familie mittlerweile gar nicht mehr reden kann, also so generell, da keiner mehr Zeit hat - wohl auch nicht mal mehr für sich selbst. Da bleibt mir eigentlich nur noch mein Freund, aber der sitzt trocken vor mir und sagt direkt, ich solle mir gleich Hilfe suchen, er könne diese Problematik nicht bedienen. Er ist also überfordert. Ich genieße an dieser Stelle, wie ehrlich er mit mir ist und ich verstehe ihn, aber schön ist es natürlich nicht.

    Meine einzige Freundin kann das Thema auch nicht wechseln, sie verpackt es aber herzlicher. Sie kann sich halt gar nicht reindenken oder fühlen. Sie will dennoch hinter mir stehen - etwas, für das ich ihr sehr dankbar bin.

    Ja, das ist eigentlich der Grund, warum ich hier bin...

    Angeli89
    Gast

    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  Angeli89 am Do Jan 19, 2012 10:44 am

    Hey PallMall,

    was genau macht dich an dem Beitrag denn platt? wenn cih so offen frage, hat es einfach den Sinn, dass ich noch ein Feedback bekomme, dass ich weiß, was in deinem Kopf vorgeht.
    Hat es dich platt gemacht weil es so viel an Information war?
    Oder weil es so offen und direkt war?

    Hat sich deine Essstörung denn aus der Familiensituation heraus gebildet?
    Ich weiß natürlich nichts über dich, doch mittlerweile überblicke ich bestimmte Dinge einfach durch meine eigene Krankheit.
    Weißt du den Auslöser für deine Krankheit?

    Was du schreibst mit deiner Familie - es tut wirklich weh das zu lesen, doch glaube mir... ich kenne es. Wobei du ja sagst, dass generell nicht mehr geredet wird.
    Definitiv eine Sache die sich ändern sollte - aber ich will ja nicht urteilen *zwinker*.

    Dein Freund, oder besser was du schreibst erinnert mich ziemlich an meinen Verlobten.
    Bei uns war es anfangs so, dass ich... Ich konnte nicht glauben, dass ein Mann mich lieben kann - und ich tat ALLES um ihn von mir wegzubekommen. Zumindest alles, was mit der Krankheit zu tun hatte.
    Ich habe in seinem Beisein gehungert, wenn er mich gezwungen hat, in seinem Beisein dann auch alle Register gezogen.
    Ab einem bestimmten Punkt, war relativ nach Anfang unserer Beziehung (dazu muss ich sagen, dass ich nach meinem Krankenhausaufhalt, wegen meines Herzens, zu seiner Familie zog), hat er mich meist mit Schweigen und einer gewissen Distanz gestraft, wenn ich wieder etwas getan hatte, zu was ich mich durch meine Magersucht gezwungen fühlte.
    Das waren Situationen wie Kreislaufzusammenbrüche, Nervenzusammenbrüche, Blackouts...
    Er ist irgendwann mit in die Therapie gegangen... Und dort hat er gelernt, was es für mich ist.

    Deine Freundin tut das, was auch meine Freundinnen taten.
    Sie versucht alles, weil sie nicht will, dass du leidest oder gar dein Leben beendest.
    Wenn ich jetzt darüber nachdenke, hätte ein Satz (er wurde mir von verschiedenen Leuten gesagt) mich hätte wachrütteln müssen. Eigentlich ähnlich wie schon erwähnt, nur viel... direkter.
    "Tu, was du nicht lassen kannst! Ich kann dich nicht davon abhalten! Du hörst mir nicht zu, doch du verlangst in der Stille von mir, dass ich bei dir bin und selbst dann noch da stehe, wenn sie deinen Sarg ins Grab senken!".
    Es war natürlich nicht immer der gleiche Satz, doch die Aussage war dieselbe.
    Und heute sehe ich in diesen Aussagen so viel... Verzweiflung und Hilflosigkeit...
    Doch es ist eben das... Die Krankheit stumpft uns auf eine gewisse Weise ab, und bei mir kam der Breakingpoint, als mein Großvater starb... Das war einen Tag bevor ich beinahe gestorben bin.
    Und bei Gott... ich hatte nie gedacht, dass ich jemals mein Leben so aufs Spiel setzten würde...

    Jetzt habe ich mich schon wieder festgequatscht... entschuldige bitte.

    Es ist ein großer Segen, dass es doch Leute gibt die einen zumindest versuchen zu verstehen!
    Und die, die selbst dann noch bei einem sind, wenn es richtig scheiße ist, einfach die Besten!
    In diesem Falle wirklich... durch dick und dünn...

    Irgendwie würde ich für euch Mädels hier ja gerne meine emailadresse hinterlassen, nur die sieht dann jeder Besucher, oder?
    Einfach für euer Forum, im Falle von Fragen *lächel*.

    Passt auf euch auf!
    Und ich hoffe sehr, dass euch das Schreiben von mir nicht irgendwie nervt, sondern dass es euch vielleicht etwas Frieden und Hoffnung gibt!

    Fühlt euch umarmt! Bleibt stark für euch! Entscheidet euch gegen die Krankheit und genießt das Leben in vollen Zügen!
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    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  PallMall am Sa Jan 21, 2012 10:55 am

    Angeli :)

    Es hat mich sehr berührt wie offen du geschrieben hast. Und dann der Verlauf deiner Geschichte und wie du dazu stehst. Das haut mich erstmal um.^^ Sehr bemerkenswert, sehr bewundernswert.

    Meine Esstörung kam nicht wegen meiner Familie. Ich sah irgendwann in den Spiegel und entwickelte diese große Abneigung gegen Fett. Und dann ging es los. Ich glaube bis heute nicht, dass meine Familie Schuld hat. In der Schule wurde ich 10 Jahre lang durchweg gemobbt. Aber daran liegt es auch nicht, dafür denke ich einfach viel zu rational drüber nach und habe mir immer gesagt: Es sei wie es sei. Ich ziehs trotzdem durch und lass mich nicht berirren. Das hat meine Mutter uns beigebracht.

    Unsere Familie stand und steht immer hinter uns. Aber wenn ich mit Esstörung komme, dann sind sie alle ratlos. Ich nehms ihnen wie gesagt nicht übel. Es scheint für sie etwas Übergroßes zu sein, das niemand außer evtl. der Erkrankte händeln kann. Es ist etwas Irrationales, also kann man es nicht einfach weg... lösen.
    Es verunsichert sie, dass ich ... ICH - die Klugscheißerin herself, die, die alles mit purer Gerdankenkraft logisch löst usw.... dass ICH damit ein Problem habe.^^ Sie denken dann: Wenn Mona sich nicht helfen kann... wer dann?

    Ich bin jetzt kein Gott oder so xD Aber immer habe ich alles durch meine Birne gelöst. Mit den Erfahrungswerten der Alten und durch meine Birne. Aber das hier... kaum zu glauben, dass ich sowas Irrationales, rein Emotionales, Psychisches habe. Hat mich schon immer irritiert...

    Ich bin froh, dass es Menschen wie dich gibt, die solch Erlebtes teilen. Es rüttelt wach, es erinnert daran, wie wichtig es ist, aus der ES zu kommen. Ich bin froh darum, dass ich begreife, wie schlimm es noch werden kann und wie wichtig es ist, sich zu fangen und zu besinnen. Und das ist nicht leicht... das ist es bei weitem nicht. Wenn der Verstand der Seele erklären muss, dass es unvernünftig, dumm und was weiß ich nich alles ist. ... ... ...


    Danke für deinen Beistand... :) Es gibt mir tatsächlich viel Kraft. Gerade, weil du nachfragst. Weil du einfach mal wissen willst, wie es bei einem selbst ist und weil du helfen möchtest. Danke... :)

    Angeli89
    Gast

    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

    Beitrag  Angeli89 am Sa Jan 21, 2012 1:56 pm

    PallMall =)

    Es lohnt sich doch, immer wieder hier vorbeizuschauen *lächelt*.
    Ich bin ehrlich gesagt auch wirklich froh, dass du hier antwortest. Das schon mal zu deinem Punkt gegen Ende des Beitrages.
    Ich kann nur so weit "helfen", wie sich jemand "helfen" lässt.
    Und ich kann nachfragen, doch ob die gefragte Person dadurch zum Denken kommt ist nicht gewiss, doch dir scheint es zu helfen und dann bin ich da auch gerne dafür da *zwinker*.

    Ich meinte ja auch nicht, dass deine Familie Schuld hat, doch ich habe eine Freundin mit Bulimie... und dort ist es die Familienstruktur... Einfach das, was in dieser Familie abging und noch immer abgeht - sie kommt damit nicht klar... Die Folgen dadurch sind mir klar.
    Es ist eben nur ein Gedankenanstoß.
    Denkst du denn, dass diese Abneigung gegen Fett wirklich der Primärauslöser war? Oder glaubst du, dass vielleicht doch etwas anderes noch einen stärkeren Druck ausübte und ich sage mal den "offensichtlichen" Teil dann diese Abneigung übernahm?
    Verstehst du, was ich meine? Falls nicht, werde ich versuchen mich deutlicher auszudrücken *grins*.

    Deine Familie ist unsicher... hilflos...
    Ich denke, dass wir das irgendwo auch verstehen können? Doch... ist es trotzdem in diesem Punkt immer wieder echt... eine Überwindung wirklich an diesem Punkt des Gedanken anzukommen.
    Ich erkläre dir, weshalb cih so denke/dachte:
    Es gab eine Situation... oder eine Phase in der ich wirklich... Es fällt mir ehrlich auch irgendwie schwer davon zu schreiben *durchatmet*.
    Ich hatte noch in dem Jahr in dem ich beinahe gestorben wäre eine richtig schlechte Phase - erneut...
    Die Magensonde hatte ich zu dem Zeitpunkt grade nicht.
    Ich war durch meine Therapie auf einen betimmten Essenplan festgelegt worden, welchen ich unter Zeitangaben zu erfüllen hatte. Die Mutter meines Verlobten, damals noch Freundes, hat sich nach meinem Zusammenbruch (obwohl sie mich dato noch nicht kannte ) frei genommen und war jeden Tag, jede Stunde mit mir zusammen. Sie hatte auch in dieser Zeit mein Essen kontrolliert.
    Und mich stresste das ganze Essen so, dass ich bei jeder Mahlzeit dasaß und drüber nachdachte, wie ich es wieder loswerde.
    Und es gab eine Situation... Ich hatte an dem Tag, oder am Tag davor vor der Mutter meines Freundes erbrochen... ich habs einfach nicht mehr ausgehalten. Ich fand beides widerlich... sie dabei zu haben, aber ebenso das Essen drin zu behalten... Und die Krankheit hat gesiegt.
    Und dann war es eine der Hauptmahlzeiten die folgte.
    Ich wurde wieder zum Essen gezwungen, saß heulend am Tisch, hab das Essen aber in mich hineingezwängt... Ich war mir sicher, dass ich es wieder loswürde...
    Als ich nach dem Essen nach oben in unser Bad laufen wollte, hielt mich mein Freund fest. Er sprach kein Wort mit mir! Er hielt mich fest ehe ich keine Kraft mehr hatte mich zu wehren und heulend in seinem Arm zusammengeklappt bin. Er hat mich nur stumm in einen Sessel gesetzt und ist gegangen.

    Das ist die Hilflosigkeit von der du sprichst. Und ich weiß jetzt nicht, seit wann du krank bist, seit wann deine Familie davon weiß, und wie exzessiv es bei dir ist. DU siehst an meinen Erzählungen, dass ich sehr weit ging!
    Wie sollen unsere Familien die uns lieben akzeptieren und verstehen, dass wir uns zu Tode hungern? Das wir für einen Gedanken leben der uns umbringt?
    Sie wissen ja ebenso wenig wie wir ( meistens ) was die Auslöser sind!
    Und andersherum... sie verstehen einfach nicht!
    Ich habe des öfteren gesagt: "Ich WILL, aber ich kann nicht...".
    Weißt du, wie lange es gebraucht hat, bis diesen Satz wirklich jemand verstand - abgesehen von meiner Therapeutin.

    Die Klugscheißer *lach*. Jaja... meistens trifft es uns...
    Ich war eine super Schülerin, hab ein super Abi - doch mit dem kann ich bisher nichts anfangen, weil ich bisher zu schwach war, und jetzt... ehrlich gesagt... will cih mein wiedergewonnenes Leben etwas genießen und nicht gleich studieren/arbeiten. Man kann zu der Einstellung sagen, was man will *schultern zuckt*.
    Ich kenne auch, was du schreibst wegen dem Rationalen.
    Wer von uns, weiß nicht Bescheid über Essstörungen? Eigentlich kennen wir doch alle genau die Symptome und bei jeder anderen Person die uns begegnen würde und die all unsere Symptome hat, wir würden ihr sagen, was ihr Problem ist... Doch bei uns selbst sehen wir es nicht, oder besser gesagt: Wir SEHEN es - doch die Krankheit in unserem Kopf macht es und scheinbar unmöglich etwas daran zu ÄNDERN!!!
    Ich wusste an den meisten Punkten meiner Krankheit sehr wohl, dass ich eigentlich krank bin und Hilfe brauche, doch ich erlaubte mir diese nicht, weil ich dachte, dass ich es nicht wert sei Hilfe zu bekommen.

    Und an Tagen wie heute, wenn ich abends von einem Kochabend mit meinen Freunden nach Hause komme... ich weiß, dass ich normal gegessen habe... da meldet sich noch immer diese kleine Stimme in meinem Kopf die mich fragt, ob das wirklich sein musste und mir empfiehlt morgen direkt wieder mit dem Abnehmen anzufangen.
    Doch ich weiß, dass ich dieser Stimme keine Bedeutung mehr beimessen darf, denn dann ist aller Erfolg zur Nichte gemacht!

    Hätte ich zu Beginn der ES gewusst, wie schwer es ist wieder rauszukommen... Hätte ich von Anfang an versucht zu kämpfen... Klar wissen wir vorher nie wie es wird, doch über eines sind wir uns einig, egal ( oder sollte eigenltich egal sein )ob wir es für uns als Essgestörte oder für eine andere Essgestörte Person sehen:
    Die Krankheit bietet uns kein Leben, sie bietet uns den Tod!
    Die Krankheit bietet uns keine "Freunschaft", sie bietet uns Isolation!
    Die Krankheit bietet und keine "Freude", sie bietet uns Depression!
    Die krankheit bietet uns keine "Liebe", sie bietet uns Hass!
    Die Krankheit bietet uns keine "Geborgenheit", sie bietet uns...

    Denkt diese Gedanken mal weiter. Was bietet euch die Anorexie/Bulimie anscheinend?!? Und was davon erfüllt sie?
    Manchmal hilft es, und ich weiß wie schwer das ist, das Freunde zu fragen. Was sie denken!
    Denn wir sind bei dieser Frage zu involviert... Wir können sie nur schwer wahrhaft beantworten.

    Ich bitte jetzt nochmals darum, überlegt euch eine Möglichkeit, dass ich euch im Forum meine Emailadresse zur Verfügung stelle.
    Geht vor allem an den Admin, vielleicht gibt es eine Möglichkeit?!?


    Und du, PallMall, bedanke dich nicht! Ich möchte nicht, dass andere das erleben müssen, was ich erlebt habe! Ich kann nicht allen helfen, doch vielleicht kann das funktionieren wie das Glücksprinzip?!? Ich weiß es nicht! Ich hoffe jedoch, dass ich klein anfange und es sich ausbreitet, dass jede/r Betreoffene/r erfährt wie es mit der Krankheit ist, aber nicht sein muss! Und wie schön das Leben wirklich ist!
    Fühl dich umarmt, wenn es für dich okay ist ( schreibe das so, weil es für mich manchmal selbst in der Vorstellung unangebracht war ).

    Ich frage nicht nur dich/euch, ihr/du dürft/darfst auch mich fragen*zwinker*!


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    Re: Freunde und Familie im Umgang mit der Krankheit

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